Welcher PCOS Typ bist du?

Das PCO Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch. Es gibt 4 verschiedene Hauptursachen wie es zu dieser Zyklusstörung kommen kann. Anhand dieser Ursachen wird das PCO Syndrom in 4 Typen eingeteilt.

Inhalt

Das Polyzystische Ovarsyndrom (abgekürzt PCOS oder PCO Syndrom) ist die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im reproduktiven Alter und somit auch eine der häufigsten Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch. Doch nicht jedes PCO-Syndrom ist gleich. Wusstest du, dass es verschiedene PCOS-Typen gibt? Sie werden auch als Phänotypen bezeichnet. Dementsprechend gibt es auch verschiedene Hauptursachen, die es bei einer Behandlung zu beachten gilt. Es ist bisher noch nicht weit verbreitet, dass es mehrere Arten des PCO Syndroms gibt. Um so wichtiger ist es für die Betroffenen zu erfahren, dass es verschiedene PCOS Typen gibt und was diese unterscheidet.

PCO Syndrom – Typ 1:

PCOS aufgrund Insulinresistenz

Dies ist der Typ des PCO-Syndroms, welcher vielen Ärzten bekannt und vermutlich am meisten untersucht worden ist. Es handelt sich dabei quasi um das „klassische PCO“, denn eine Insulinresistenz ist das häufigste Charakteristikum bei PCOS*.

Wie kommt es zur Insulinresistenz

50-70% der Frauen mit PCOS haben Übergewicht oder sind adipös und zeigen Merkmale des metabolischen Syndroms. Dazu gehört neben Übergewicht u.a. eine Störung des Zuckerstoffwechsels (Insulinresistenz) sowie des Fettstoffwechsels, was Übergewicht begünstigt. Eine Insulinresistenz wird für 30% der normalgewichtigen und bei 70% der übergewichtigen Frauen mit PCOS beschrieben. Eine Insulinresistenz kann sich demzufolge auch unabhängig vom Körpergewicht entwickeln. Es wird vermutet, dass u.a. ein hormonelles Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Hormonen zur Entwicklung einer Insulinresistenz beiträgt. Außerdem wird angenommen, dass die Insulinresistenz auch durch die Aufnahme von überschüssigem Zucker, Rauchen, Umweltgiften und den Verzehr von Transfetten begünstigt wird.

Frauen mit anovulatorischen Zyklen sind stärker von einer Insulinresistenz betroffen als Frauen mit ovulatorischen Zyklen. Eine Insulinresistenz ist außerdem ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2. Zudem ist in der Schwangerschaft das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes erhöht.

Wie kann eine Insulinresistenz zu PCOS führen?

Kohlenhydratreiche Speisen werden in Zuckermoleküle aufgebrochen und gelangen in den Blutkreislauf. Um die Glukose in die Zellen zu transportieren, benötigt der Körper das Hormon Insulin, was er bei erhöhtem Blutzucker ausschüttet. Bei einer Insulinresistenz erkennen die Körperzellen Insulin nicht mehr richtig an. Daher verbleibt der Zucker im Blut und die Bauchspeicheldrüse produziert noch mehr Insulin. Das fördert zum einen Übergewicht, zum anderen regt das überschüssige Insulin gleichzeitig die Zellen in den Eierstöcken dazu an, vermehrt Androgene, also männliche Sexualhormone, zu bilden. Das PCO Syndrom ist die Folge. Da rund 70% der Frauen mit PCO-Syndrom eine Insulinresistenz aufweisen, sollte jede PCOS-Patientin darauf getestet werden. Dieser Test sollte auch bei schlanken Frauen durchgeführt werden.

Was hilft bei Insulinresistenz?

Hier gilt es, an der Insulinresistenz zu arbeiten, um die Symptome von PCOS zu mindern. Das tust du am besten mit deiner Ernährung, Vermeidung von Zucker und ausreichend Bewegung. Schon eine Gewichtsreduktion um 5% kann zu einer Senkung der Androgene und des Insulins sowie zu einer Normalisierung des Zyklusverhaltens und einer Vermehrung ovulatorischer Zyklen führen.

PCO Syndrom – Typ 2:

PCOS aufgrund stiller Entzündungen

Entzündungsprozesse spielen im Körper eine Schlüsselrolle, um ihn vor Fremdpartikeln und Krankheitserregern und sogar vor Stress zu schützen. Chronische Entzündungen können jedoch die normalen Körperfunktionen einschließlich des Eisprungs beeinträchtigen und zu einem unausgeglichenen Hormonhaushalt führen. Eine Entzündung kann auch die Produktion von Testosteron auslösen, was zu sichtbaren Veränderungen im Körper führen kann. So wurde bei PCOS bereits gezeigt, dass Marker für oxidativen Stress und Entzündungen stark mit zirkulierenden Androgenen korrelieren. Folgende Symptome können bei diesem PCOS-Typ zusätzlich zu anderen PCOS-Symptomen auftreten: Extreme Müdigkeit und Fatigue, Infektionen, Hautprobleme wie Ekzeme oder Schuppenflechte, Gelenkschmerzen, Darmbeschwerden, chronischen Kopfschmerzen oder eine ständig verstopfte Nase.

Stille Entzündungsherde werden vermutlich bei fast allen PCOS-Typen zu finden sein; so lassen sich stille Entzündungen fast immer auch bei einer Insulinresistenz ausmachen (Schultz 2020). Wenn du aber stille Entzündungen als den einzigen Faktor festmachen kannst, hast du vermutlich ein PCOS aufgrund stiller Entzündungen.

Was hilft bei stillen Entzündungen?

Hier muss zuerst der Auslöser der Entzündungsprozesse gesucht werden. Mögliche Trigger können z.B. Lebensmittelunverträglichkeiten, ein Ungleichgewicht der Darmflora oder eine Histaminintoleranz sein. Es kann zudem hilfreich sein, Stress zu reduzieren, Gifte wie BPA in Plastikbehältern und Wasserflaschen zu vermeiden und entzündliche Lebensmittel wie Milchprodukte, Weizen und Zucker von deinem Speiseplan zu streichen.

PCO Syndrom – Typ 3:

Nebennieren-induziertes PCOS

Diese Form von PCOS entsteht hauptsächlich durch zu viel Stress. Männliche Hormone, die sogenannten Androgene, werden nicht nur in den Eierstöcken, sondern auch in den Nebennieren produziert. Dort werden ebenfalls die Stresshormone Cortisol und Adrenalin gebildet. Werden die Nebennieren zu stark durch Stress angeregt, kann eine gleichzeitige Androgen-Ausschüttung angekurbelt werden. Allerdings wird sowohl bei Männern als auch bei Frauen nur ein Hormon ausschließlich in den Nebennieren gebildet: das Sexualhormon DHEAS. DHEAS gehört zu der Gruppe männlicher Sexualhormone, wird aber von beiden Geschlechtern gebildet und dient als Vorstufe für die Testosteron- und Östrogenbildung. Hast du ausschließlich erhöhte DHEAS-Werte, dann ist es wahrscheinlich, dass du zum Typ des Nebennieren-induzierten PCOS gehörst. Hierbei wird das PCO-Syndrom durch eine erhöhte Stressreaktion angetrieben.

Was hilft bei Nebennieren-induziertem PCOS?

Reduziere Stress und achte insgesamt auf ein besseres Stressmanagement. Besonders hilfreich sind hier vor allem Entspannungstechniken, Meditation und sanftes Yoga. Achte bewusst auf die Bedürfnisse deines Körpers.

PCO Syndrom – Typ 4:

Post-Pill PCOS

Hierbei handelt es sich um einen PCOS-Typ, der durch die Einnahme der Antibabypille entstanden ist. Häufige Symptome nach Absetzen der Pille sind das Ausbleiben der Menstruation oder sehr lange bzw. unregelmäßige Zyklen. Im Grunde genommen liegt hier gar kein PCOS vor, dies könnte eher als vorübergehender Zustand nach Absetzen der Pille bezeichnet werden und führt häufig zu einer irrtümlichen PCOS Diagnose.

Wie kommt es zu Post-Pill PCOS?

Antibaby-Pillen mit androgenem Effekt können dazu führen, dass erhöhte Androgenwerte bis zu einem halben Jahr nach Absetzen der Pille noch im Blutbild nachweisbar sind. Dein Körper benötigt nach Absetzen der Pille sehr viel Zeit, um sich wieder einzupendeln und die Hormonersatzstoffe aus dem Körper zu schleusen. Das kann bis zu einem Jahr oder auch länger dauern. Außerdem muss dein Körper lernen, die Hormone wieder selbst und in entsprechender Menge zu produzieren. Manchmal werden in der ersten Zeit zu viele Androgene gebildet, bis sich der Körper wieder eingependelt hat.

Das Post-Pill PCO-Syndrom könnte bei dir vorliegen, wenn du weder eine Insulinresistenz, stille Entzündungen oder eine abnormale Stressreaktion aufweist und vor Pilleneinnahme einen „normalen“ Zyklus hattest.

Was hilft bei Post-Pill PCOS?

Gib deinem Körper die Zeit, die er braucht, um sich nach Absetzen der Pille zu regenerieren. Das Ausbleiben der Menstruation oder unregelmäßige Zyklen bis zu einem Jahr sind keine Seltenheit.

Kann ich auch mehreren PCOS Typen angehören?

Es ist durchaus möglich, dass du dich verschiedenen PCOS-Typen zuordnen kannst. Jedoch sind die PCOS-Typen hier nach Priorität der „Behandlung“ aufgelistet. Das bedeutet, wenn du dich in Typ 1 und Typ 4 wiederfindest, solltest du zuerst deine Insulinresistenz in den Griff bekommen.

Die Zuordnung zu den verschiedenen PCOS-Typen kann manchmal ziemlich schwerfallen und ebenso schwer ist es, die richtigen Lösungsansätze für dich zu finden. Zu wissen, welcher PCOS-Typ du bist, hilft dir, die geeigneten Schritte in Richtung Heilung zu unternehmen. Lebensstilveränderungen, die nicht auf deinen PCOS-Typ angepasst sind, können deine PCOS-Symptome sogar verschlimmern. Wir empfehen dir, dich von einem Arzt gründlich untersuchen und von einer PCOS Expertin beraten zu lassen.  In einem Coaching von Julia Schultz hast du beispielsweise die Möglichkeit, deinen PCOS-Typ zu identifizieren und für dich passende Lösungsansätze zu finden.

Diese Frauen sind trotz PCOS schwanger geworden

Weitere Infos und Beiträge zu PCOS

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Quellen:

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Neumann K und Grisinger G. 2020. Polyzystisches Ovarsyndrom. In: Reproduktionsmedizin. 2. Auflage.

PCOS Living. 4 Types of PCOS and how to treat them. https://www.pcosliving.com/pcos-living-blog/types-of-pcos Zugriff: 11.11.2020

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Schultz J. Die 4 PCOS-Typen. https://www.juliaschultz.net/4-pcos-typen/ Zugriff: 10.11.2020

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