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Wir forschen für die Frauengesundheit

In der Medizin ist immer noch der Mann das dominierende Geschlecht. Als Arzt, der forscht und heilt sowie als Patient, an dem geforscht wird. Am Markt erhältliche Medikamente werden mehrheitlich an Männern erforscht, was für Frauen gefährliche Folgen haben kann. Sie haben andere Bedürfnisse als Männer und sollten gerade deshalb in Studien mit einbezogen werden. Bei der frauenbezogenen Forschung und geschlechtssensiblen Medizin gibt es jedoch viel Nachholbedarf. Das Medizintechnikunternehmen VivoSensMedical, welches 2012 OvulaRing zur Marktreife gebracht hat, treibt die Forschung für Frauen voran und forscht schwerpunktmäßig in den Indikationsbereichen Frauengesundheit, weibliche Chronobiologie sowie Autoimmunerkrankungen bei Frauen. Dazu führt das Unternehmen verschiedene Studien mit Frauen auf Basis des Biomarkers Körperkerntemperatur durch. Die Vision: Ein Paradigmenwechsel in der medizinischen Diagnostik herbeizuführen sowie geschlechtssensible, individuelle Diagnostik für bessere Therapien zu schaffen.

Die Körperkerntemperatur als Biomarker

Durch die Erforschung der Körperkerntemperatur als Biomarker hat die VivoSensMedical eine einzigartige Methode für die gynäkologische, endokrinologische Zyklusdiagnostik entwickelt und diese mit dem Cyclofertilogramm und OvulaRing für die Anwenderin und den Arzt auf den Markt gebracht. An den Universitätsfrauenkliniken Leipzig und Dresden wurden medizinische Studien mit insgesamt 158 Kinderwunschpatientinnen durchgeführt. Diese lieferten neue medizinische Erkenntnisse zur Ovulation und Variabilität des weiblichen Zyklus (Alexander 2015 / Regidor 2017) anhand von 470 ausgewerteten Zyklen. Es wurde herausgefunden, dass knapp 70% der Frauen außerhalb des erwarteten Zeitpunktes (Tag 14) ovulierten, trotzdem aber einen gesunden biphasischen Zyklus aufwiesen. Die neuen Erkenntnisse belegen die Variabilität der Zyklen und zeigen, dass jede Frau ein individuelles Fruchtbarkeitsmuster aufweist.

 

Der Einfluss des weiblichen Zyklus auf die Hirnstruktur und die Menopause

Seit 2016 ist die VivoSensMedical in einer klinischen Studie in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften involviert, welche den Einfluss des weiblichen Zyklus auf die Hirnstruktur erforscht. Die Forschungsergebnisse werden zeigen, ob und inwiefern sich die Hirnstruktur während der verschiedenen Zyklusphasen Menstruation, Follikelphase, fruchtbares Fenster mit Eisprung und Lutealphase verändert.

Seit 2019 forscht die VivoSensMedical auch im Bereich Menopause.  Die klinische Studie zum „Einfluss einer Progesteronsubstitution in der Lutealphase auf den Ruheenergieverbrauch in der menopausalen Transition“ wird mit der Universitätsfrauenklinik Bern durchgeführt.

Die Körperkerntemperatur als indirekter endokrinologischer Biomarker kann in der Frauenheilkunde in vielerlei Bereichen zur Anwendung kommen. Zu nennen sind vor allem die individuelle Zyklusdiagnostik mit der Erkennung des Eisprungtages und der fruchtbaren Phase für eine Empfängnisoptimierung, die Anwendung bei der Behandlung im Rahmen der In-Vitro-Fertilisation (IVF) im natürlichen Zyklus und die Unterstützung bei der sicheren hormonfreien Verhütung. In aktuellen Studien wird derzeit geprüft, ob mit Hilfe der Körperkerntemperatur Risiken während der Schwangerschaft, wie z.B. eine drohende Fehlgeburt und andere Schwangerschaftserkrankungen frühzeitig erkannt werden können.

Neuer Therapieansatz bei Autoimmunerkrankungen

Weltweit leiden mehr als 2,5 Mio. Menschen an Multipler Sklerose (MS International Federation), Frauen erkranken heute dreifach häufiger als Männer (Ärztezeitung online, 30.10.2017). Bei der Analyse von Körperkerntemperaturmustern bei Autoimmunerkrankungen gibt es in der Fachliteratur gegenwärtig noch keine Forschungsarbeiten. Gerade deshalb zählen Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und rheumatische Erkrankungen zu den Forschungsschwerpunkten der VivoSensMedical. Im Klinikalltag fehlen Diagnostikmethoden zur Früherkennung von Krankheitsschüben, die es ermöglichen, Therapien auf den individuellen Krankheitsverlauf von Patienten mit Autoimmunerkrankungen abzustimmen. Die Identifikation von Schüben bei Autoimmunerkrankungen erfolgt aktuell zu spät, nämlich erst nach einem Krankheitsschub,  und ist von einem enormen diagnostischen Aufwand geprägt  (z.B. MRT bei MS). Jede Autoimmunerkrankung ist von Entzündungsprozessen begleitet, die mit einer Veränderung der Körperkerntemperatur korrelieren. Unter Umständen spiegeln sich diese Prozesse in einem individuellen Temperaturmuster wider, das es zu identifizieren gilt.  Deshalb plant die VivoSensMedical derzeit eine Studie zu „Körperkerntemperatur und Autoimmunschübe bei Frauen mit Kinderwunsch und Multipler Sklerose oder rheumatischen Erkrankungen.“ Es ist zu erwarten, dass individuelle Temperaturmuster während eines Autoimmunschubes identifiziert werden und so Erkrankungsschübe besser vorhergesagt werden können. Dadurch ist es möglich,  Therapien auf individuelle Schübe und den jeweiligen Krankheitsverlauf in Echtzeit anzupassen.

Die Erforschung der weiblichen Chronobiologie

Jeder Mensch ist geprägt von einer individuellen inneren Uhr, die u.a. für den Erfolg von medikamentösen Therapien verantwortlich ist. In Abhängigkeit von dieser inneren Uhr werden beispielsweise Medikamente zu unterschiedlichen Zeiten patientenindividuell anders verstoffwechselt. Dieser Aspekt wird aktuell in der medikamentösen Einstellung von Patienten jedoch kaum berücksichtigt. Es mangelt vor allem an Diagnostikmethoden zur Bestimmung des  individuellen Biorhythmus. Die Vision: Die zielgenauere Verabreichung von Medikamenten entsprechend des Biorhythmus zur Steigerung des Therapieerfolges und zur Reduktion von Nebenwirkungen, gerade in Indikationsbereichen mit starkem Medikamentenbedarf, wie z.B. der Onkologie. Die VivoSensMedical ist deshalb derzeit Partner für die Studie „Analyse von Chronotyp und Rhytmusstabilität anhand der Körperkerntemperatur“ bei Brustkrebspatientinnen in Zusammenarbeit mit der Heinrich Heine Universität Düsseldorf.

In einer Studie von 2017 (Eckhart et al. 2017) der VivoSensMedical mit dem Chronomedizinischen Institut der Goethe-Universität, Frankfurt am Main, wurde erstmal der diurnale Körperkerntemperatur-Rhythmus von Frauen unter „real life“-Bedingungen erforscht. Seit 2019 wird die klinische Studie zum „Einfluss einer Progesteronsubstitution in der Lutealphase auf den Ruheenergieverbrauch in der menopausalen Transition“ (in Zusammenarbeitarbeit mit dem Inselspital Bern) durchgeführt.

 

 

 

Die Studien der VivoSensMedical im Überblick

 

Derzeit befinden sich Planung

„Körperkerntemperatur und Autoimmunschübe bei Frauen mit Kinderwunsch und Multipler Sklerose oder rheumatischen Erkrankungen“ (in Planung)

„Analyse von Chronotyp und Rhytmusstabilität anhand der Körperkerntemperatur“, in Zusammenarbeit mit der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Prof. Dr. von Gall, Prof. Dr. med. Horst-Werner Korf

„Anwenderbeobachtung zur Körperkerntemperatur und Veränderung des vaginalen ph-Werts im weiblichen Zyklus“, VivoSensMedical GmbH, Prof. Dr. med. Henry Alexander

„Körperkerntemperatur als Biomarker für die Diagnostik der Schwangerschaftsgesundheit“, VivoSensMedical GmbH, Prof. Dr. med. Henry Alexander

„Einfluss einer Progesteronsubstitution in der Lutealphase auf den Ruheenergieverbrauch in der menopausalen Transition“, in Zusammenarbeit mit dem Inselspital Bern, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Prof. Dr. med. Petra Stute

 

 

Durchgeführte klinische Studien

1999-2007 Klinische Studie und Prüfung zur Testung der Wirksamkeit und Verträglichkeit eines telemetrischen Ringpessars zur Bestimmung der Basaltemperatur der Frau, Universitätsfrauenklinik Leipzig, Prof. Dr. med. Henry Alexander

2012-2013 Monozentristische Studie zur wissenschaftlichen Evaluierung circadianer Temperaturmuster im weiblichen Zyklus mit Hilfe des Wechselringsystems OvulaRing, VivoSensMedical GmbH, Prof. Dr. med. Henry Alexander

2012-2017 Dynamics of core body temperature cycles in longterm measurements under real life conditions in women, Chronomedizinisches Institut der Goethe-Universität, Frankfurt am Main, Prof. Dr. med. Horst-Werner Korf

Seit 2013 Anwenderstudie mit dem Körperkerntemperaturmesssystem OvulaRing zur Erforschung der Anwendung im Bereich der assistierten Reproduktionsmedizin, TU Dresden, OÄ. Dr. med. Maren Göckenjan-Festag

2013-2018 Kontinuierliche Körperkerntemperaturmessung als Ergänzung des Zyklusmonitoring bei Patientinnen mit Kinderwunsch. Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Dresden, OÄ Dr. med. Maren Göckenjan

Seit 2016 Klinische Studie zum Einfluss des Zyklus auf die Hirnstruktur, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Dr. Julia Sacher

 

 

Referenzen

Alexander H. 2015. Das Cyclofertilogramm zur exakten Zyklus- und Fertilitätsdiagnostik. In: Ärzteblatt Sachsen; 12: 539-542.

Ekhart D et al. 2017. Dynamics of core body temperature cycles in longterm measurements under real life conditions in women, Chronobiology International, DOI: 10.1080/07420528.2017.1375942

Müller T. 2017. MS-Prävalenz steigt weltweit – liegt es an der Ernährung? Ärztezeitung online. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/multiple_sklerose/article/946497/ms-tagung-ms-praevalenz-steigt-weltweit-liegt-ernaehrung.html Zugriff: 9.7.2019
MS International Federation.  https://www.msif.org. Zugriff: 9.7.2019

Nieberding M. 2019. Was Frauen krank macht. Süddeutsche Zeitung Magazin. Nummer 21. S. 8-17.

Regidor P-A et al. 2017. Identification and prediction of the fertile window with a new web-based medical device using a vaginal biosensor for measuring the circadian and circamensual core body temperature, Gynecological Endocrinology, DOI: 10.1080/09513590.2017.1390737

 

 

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