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Wie Zyklusapps deine sensiblen Daten verwenden

Wem würdest du erzählen, wann du das letzte Mal Sex hattest und ob du dabei verhütet hast? Und was würdest du tun, wenn diese Person das weitererzählt? Deine Zyklusapp kennt genau diese intimen Informationen von dir – und gibt diese sensiblen Daten unter Umständen ungefragt weiter. Doch den meisten Frauen ist das nicht bewusst.

Wir haben einige der bekanntesten Zyklusapps und Zyklustracker genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Einige Zyklusapps geben sensible Daten ohne die Zustimmung der Nutzerin weiter.

Diese Daten werden weitergegeben

Prinzipiell können alle Daten weitergeben werden, die die App speichert. Auf den ersten Blick sind das Informationen, die du in die App einträgst. Von Zyklusdaten, die die App benötigt, um korrekt zu funktionieren wie Körpertemperatur, Zervixschleim und Periodenblutung. Über Daten, die die App nicht zwingend braucht wie Alter, Gewicht, Größe, Geschlechtsverkehr, Ovulations- und Schwangerschaftstests. Bis zu zusätzlichen Daten, die es Nutzerinnen einfach macht, ihren Zyklus genauer zu beobachten wie Stimmung, Schmerzen, Krämpfe, Schlaf, Haut, Haare, Schichtarbeit, Alkoholkonsum, Reisen, Erkrankungen, Medikamente und weitere.

Auf den zweiten Blick gibt dein Nutzerverhalten auch Aufschluss über dich. Der Download einer Zyklusapp lässt beispielsweise schon darauf schließen, dass du eine Frau im gebärfähigen Alter bist und je nach App auch, ob du einen Kinderwunsch hast oder schwanger bist. Manche Apps sind clever und bieten alles aus einer Hand an. So kannst du die App zuerst nutzen, um zu verhüten bzw. um schwanger zu werden und später, um die Schwangerschaft zu verfolgen.

An diese Stellen werden Daten weitergeben

Internet-Giganten wie Facebook und Google leben von genau solchen Daten. Sie füttern ihre Blackbox mit Daten von dir. Mit diesen Daten können sie sich ein immer genaueres Bild von dir erschaffen, sodass du als Nutzerin wiederum regelrecht gläsern wirst. Und das ohne, dass du überhaupt ein Profil bei Facebook oder Google hast. Mit diesen Daten verdient Facebook sein Geld, denn diese Daten werden wiederum von Unternehmen strategisch genutzt, die ihre Produkte optimal auf den größten Werbeplattformen im Internet bewerben und damit auch verkaufen. Facebook und Google spielen hier in der höchsten Liga.

Deine Daten sind wertvoll und gewinnbringend

Frauen werden generell als recht kauffreudig eingestuft. Je detaillierter die Nutzerdaten vorliegen, desto besser kann das Kaufverhalten der Nutzerin eingeschätzt und sogar vorausgesagt werden. Diese Informationen werden genutzt, um Werbung perfekt auf dich abgestimmt anzuzeigen. Das umfasst weitaus mehr als nur Themen oder Marken, die dich interessieren. Es geht zum Beispiel von bestimmten Uhrzeiten oder Wochentagen über unterschiedliche Stimmungen. Denn der Zusammenhang zwischen Stimmung und Kaufverhalten ist mittlerweile erwiesen. Und genauso bekannt sind Stimmungsschwankungen im Zyklusverlauf und Gemütsveränderungen während einer Schwangerschaft. Vielleicht kennst du diese komischen Zufälle: Du bekommst gerade deine Periode und plötzlich wird dir die Werbung deiner Lieblingsschokolade angezeigt. Oder du bist ganz frisch schwanger, nur du und dein*e Partner*in wissen davon und sämtliche Werbung im Internet besteht nur noch aus Kinderwagen und Windeln.

Die über dich gesammelten Daten ermöglichen aber auch einen tiefgreifenden Aufschluss über dein Verhaltensmuster. Bist du zu deinem Eisprung am Wochenende immer unterwegs und trinkst gern Alkohol? Bestellst du kurz vor der Periode gern Fast Food? All diese Daten, die die Zyklusapp sammelt, werden in der besagten Blackbox mit anderen Daten über dich kombiniert und machen dich zu einer gläsernen Kundin.

Daten von Schwangeren sind besonders lukrativ

Die Daten von Schwangeren sind am begehrtesten. Denn Schwangere betreten aus Markensicht komplettes Neuland, das geprägt werden will: Welcher Kinderwagen ist besonders geeignet? Welche Windeln? Welche Babynahrung? Hier lässt sich mit personalisierter Werbung das neue Kaufverhalten und die Markenbindung besonders stark beeinflussen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Daten von Schwangeren 15-mal so wertvoll sind wie normale Daten. Es ist ein lukratives Geschäft und hinter manch einer Zyklus- und Schwangerschaftsapp steht ein Konzern, der eigentlich nur Daten sammelt.

Das kannst du tun

Du bist dem nicht ausgeliefert, sondern kannst aktiv etwas tun. Verwende eine App oder einen Tracker aus der EU, besser noch aus Deutschland. Hier sind die Datenschutzbestimmungen deutlich strenger und reglementierter als im EU-Ausland. Du findest diese Angabe im Impressum auf der Webseite der App. Dort findest du auch die Datenschutzerklärung, in der aufgelistet sein sollte, welche Daten zu welchem Zweck erhoben und gespeichert werden. Zusätzlich kannst du auch die Datenschutzeinstellungen direkt in der Zyklusapp bearbeiten.

Bei OvulaRing sind deine sensiblen Daten sicher!

Wir von OvulaRing geben deine Daten weder weiter noch verkaufen wir sie. Zudem werden deine personenbezogenen Daten wie dein Name und deine Adresse komplett getrennt von deinen sensiblen Daten, wie deinen Zyklusdaten, gespeichert. Eine Zuordnung ist dadurch nicht möglich.

Außerdem unterliegt OvulaRing als Medizinprodukt strengen Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen. Zusätzlich überprüfen externe Datenschutzbeauftragte regelmäßig die Einhaltung dieser Bestimmungen. Deine sensiblen Daten sind bei uns sicher.

Referenzen

Privacy International. No Body’s Business But Mine: How Menstruation Apps Are Sharing Your Data. https://www.privacyinternational.org/long-read/3196/no-bodys-business-mine-how-menstruations-apps-are-sharing-your-data Zugriff: 29.01.2021

Coding rights. MENSTRUAPPS – How to turn your period into money (for others). https://chupadados.codingrights.org/en/menstruapps-como-transformar-sua-menstruacao-em-dinheiro-para-os-outros/ Zugriff: 29.01.2021

Barbara Wimmer. Future Zone. Wie Menstruations-Apps Daten mit Facebook teilen. https://futurezone.at/netzpolitik/wie-menstruations-apps-daten-mit-facebook-teilen/400601066 Zugriff: 04.02.2021

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