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Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter

Nach der Befruchtung nistet sich der Embryo normalerweise in der Gebärmutter ein. In ein bis zwei von hundert Fällen nistet sich jedoch der Embryo im Eileiter, Eierstock, Gebärmutterhals  oder in der Bauchhöhle ein. Mediziner sprechen von einer Extraunteringravidität (EUG) oder ektopen Schwangerschaft. Wird eine ektope Schwangerschaft nicht früh genug erkannt, kann Lebensgefahr bestehen. Die Diagnose einer ektopen Schwangerschaft ist für gewöhnlich eine unerwartete und schmerzliche Diagnose. Viele Frauen beschäftigen sich schon mit der Planung ihrer Schwangerschaft und Entbindung, wenn die überraschende Diagnose gestellt wird. Andere Frauen mit einer ektopen Schwangerschaft wussten bis dahin nicht, dass sie schwanger sind und werden plötzlich mit der Notwendigkeit eines operativen Eingriffes konfrontiert.

Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität)

Die Eileiterschwangerschaft ist mit 96% die häufigste Form einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Hucke 2005). Bei einer normalen Schwangerschaft wird die Eizelle durch das Spermium im Eileiter befruchtet. Der daraus resultierende Embryo wird mit Hilfe der Flimmerhärchen in der Eileiterschleimhaut innerhalb von 3 bis 4 Tagen durch den Eileiter und in die Gebärmutterhöhle transportiert. Wenn jedoch die Eileiter verschlossen oder geschädigt sind und somit der Embryo nicht zur Gebärmutter transportiert werden kann, nistet sich der Embryo im Eileiter ein und es resultiert daraus eine Eileiterschwangerschaft. Gründe für undurchgängige Eileiter können sein: vorangegangene Entzündungen, Endometrioseherde, vorangegangene Eileiterschwangerschaften, ein Schwangerschaftsabbruch oder Verwachsungen nach einer Bauchoperation im Bauchraum. Auch wenn eine Spirale in der Gebärmutter liegt oder gelegen hat, kann das Entstehen einer extrauterinen Schwangerschaft begünstigt werden.  Auch eine frühere Eileitersterilisation ist ein Risikofaktor. Eine Tubargravidität kann allerdings auch bei Frauen vorkommen, die diese Risikofaktoren nicht aufweisen.

Eierstockschwangerschaft (Ovarialgravidität)

Die Einnistung im oder am Eierstock ist sehr selten und kommt schätzungsweise nur bei 1 von 40.000 Schwangerschaften vor (Lermann 2009). Sie äußert sich meist durch starke Bauchschmerzen etwa 2 Wochen nach Ausbleiben der Regelblutung.

Gebärmutterhalsschwangerschaft (Zervixgravidität)

Mit 0,2–0,5 % der ektopen Schwangerschaften ist die Zervixgravidität sehr selten (Lermann 2009).  Bei einer Gebärmutterhalsschwangerschaft nistet sich der Embryo im engen Hals der Gebärmutter ein.

Bauchhöhlenschwangerschaft (Abdominalgravidität)

Etwa 1% der extrauterinen Schwangerschaften ist in der Bauchhöhle lokalisiert (Lermann 2009). Da Eierstock und Eileiter nicht fest miteinander verbunden sind, kann der Embryo auch in die Bauchhöhle gelangen und sich auf dem Bauchfell ansiedeln. Da er hier zunächst Platz zum Wachsen hat, bleibt eine solche Schwangerschaft nicht selten einige Wochen unbemerkt oder es treten untypische Beschwerden auf. Wegen der oft geringen Symptomatik werden abdominale Schwangerschaften daher zuweilen erst spät erkannt.

Symptome

Die Frühsymptome bei einer Extrauteringravidität können sehr milde sein oder gänzlich fehlen. Klinisch zeigt sich eine ektope Schwangerschaft zwischen der 5. und 8. Woche nach Beginn der letzten Menstruationsblutung. Da sich eine Extrauteringravidität anfangs wie eine normale Schwangerschaft entwickelt, treten zunächst auch die üblichen Begleitzeichen einer normalen Schwangerschaft wie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Brustspannen auf. Bei einer fortschreitenden Eileiterschwangerschaft wird das umgebende Gewebe durch den heranwachsenden Embryo bzw. den Mutterkuchen durchwachsen. Früher oder später kommt es dadurch zu teils lebensbedrohlichen Blutungen – das Hauptsymptom der extrauterinen Schwangerschaft.

Warnzeichen für eine nicht ganz so akut verlaufende Eileiterschwangerschaft sind unter anderem starke, krampfähnliche oder stechenden Schmerzen im Unterleib, die normalerweise nur auf einer Seite auftreten, unter Umständen kombiniert mit einer Schmierblutung, die einer Regelblutung ähnelt. Eine nicht intakte oder ektope Schwangerschaft fällt auch durch einen kaum steigenden oder sogar plötzlich abfallenden hCG-Wert auf. Bei der akut verlaufenden Form einer Eileiterschwangerschaft findet man Schocksymptome infolge der inneren Blutungen: Dazu gehören Blässe, Schweißausbrüche, Schwächeanfälle, Unwohlsein, Übelkeit, Schwindelgefühle bis hin zur Ohnmacht sowie ein schwacher Puls und sinkender Blutdruck. Aus diesem Grund ist eine extrauterine Schwangerschaft eine sehr ernstzunehmende Komplikation, die unter Umständen notärztlich behandelt werden muss, weil die inneren Blutungen lebensgefährlich sein können.

Diagnostik und Therapie

Durch die verbesserten diagnostischen Möglichkeiten lassen sich extrauterine Schwangerschaften heute sehr früh erkennen. Eine Extrauteringravidität muss bei jeder Frau mit Bauchschmerzen oder vaginaler Blutung bei positivem Schwangerschaftstest angenommen werden. Eine Ultraschalluntersuchung, die außerhalb der Gebärmutter einen Fruchtsack mit fetalen Anteilen und Herzaktionen zeigt, ist beweisend für eine Extrauteringravidität. Die Behandlung einer ektopen Schwangerschaft  besteht üblicherweise in der operativen Entfernung der Schwangerschaft,  heute meist durch eine Bauchspiegelung. Besonders in Entwicklungsländern mit schlechter Schwangerschaftsbetreuung sind Extrauteringraviditäten jedoch trotz der verbesserten Diagnostik häufig eine Ursache für mütterliche Sterblichkeit.

 

Quellen

Anzeichen einer extrauterinen Schwangerschaft. https://www.swissmom.ch/schwangerschaft/medizinisches/komplikationen/eileiter-schwangerschaft-und-mehr/anzeichen-einer-extrauterinen-schwangerschaft/ Zugriff: 12.11.2019

Extrauteringravidität – Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. https://www.gesundheit.de/familie/schwangerschaft/eileiterschwangerschaft-und-bauchhoelenschwangerschaft/extrauteringraviditaet-schwangerschaft-ausserhalb-der-gebaermutter Zugriff: 12.11.2019

Hucke J und Füllers U. 2005. Extrauterine Schwangerschaft. In: Gynäkologe. 38, 535–552. doi:10.1007/s00129-005-1705-1

Lermann J et al. 2009. Die Extrauteringravidität. In: Frauenheilkunde. update 3, 383–402. doi:10.1055/s-0029-1224626

Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. https://www.swissmom.ch/schwangerschaft/medizinisches/komplikationen/eileiter-schwangerschaft-und-mehr/ Zugriff: 12.11.2019

Universitätsklinikum Kiel: Eileiterschwangerschaft. https://www.uksh.de/frauenklinik-kiel/F%C3%BCr+Patienten/Ihre+Operation/Informationen+zu+verschiedenen+Operationen/Bauchspiegelung/Eileiterschwangerschaft+-p-696.html Zugriff: 12.11.2019

 

 

 

 

 

 

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