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Schilddrüsenbedingte Störungen der Sexualhormone

Die Schilddrüse – dieses kleine, schmetterlingsförmige Organ in unserem Halsbereich – hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser Wohlbefinden. Oft sind Symptome bei Erwachsenen nicht gleich eindeutig einem Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone zuzuordnen und es vergeht viel Zeit bis zur eindeutigen Diagnose.

Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) tritt bei etwa 5-10% der Frauen im gebärfähigen Alter auf. Diskutiert wird ein gehäuftes Auftreten des PCO-Syndroms bei Frauen mit Hashimoto-Thyreoiditis, eine autoimmun bedingte chronische Entzündung der Schilddrüse, die früher oder später fast immer zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führt.

Bereits Vorstufen von Schilddrüsen-Unter- und Überfunktionen (latente Hypo- oder Hyperthyreosen) können zu tiefgreifenden Störungen des Zyklus und des reproduktiven Systems führen. Die sorgfältige Abklärung der Schilddrüsenfunktion gehört deshalb in das Basisprogramm nahezu jeder gynäkologisch-endokrinologischen Diagnostik. Sowohl eine Über- als auch Unterfunktion der Schilddrüse kann das Zyklusgeschehen und  die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen und Grund für eine ungewollte Kinderlosigkeit sein. Denn die Schilddrüsenhormone steuern alle wichtigen Vorgänge im Körper, auch die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone wie Östrogen stehen miteinander in engem Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die Eizellreifung und den Zyklus. Die betroffenen Frauen werden seltener schwanger. Kommt es trotzdem zur Empfängnis, kann insbesondere eine Überfunktion in den ersten Monaten häufig zu einer Fehlgeburt führen.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei dieser Stoffwechselerkrankung produziert die Schilddrüse zu viele Hormone. Dies führt zu einem überaktiven Stoffwechsel, der sich z. B. in Unruhe, Nervosität, Zyklusstörungen, Unfruchtbarkeit, Schweißausbrüchen und Gewichtsverlust äußern kann.

Schilddrüsenunterfunktion

In diesem Fall produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Betroffen klagen über Müdigkeit, Antriebsarmut, gesteigertes Schlafbedürfnis sowie Gedächtnisstörungen. Sie frieren häufig, leiden an Verstopfung und deutlicher Gewichtszunahme. Die Haut ist trocken, kühl und blass, Haare und Nägel sind brüchig. Neben Wassereinlagerungen (z. B. an den Augenlidern) treten bei Frauen oft Menstruationsstörungen auf. Der Puls ist langsam und die Muskelreflexe sind geschwächt.

Prolaktin

Oftmals liegt es daran, dass das Hormon TRH nicht nur die Freisetzung von TSH fördert, um die Schilddrüse zur Produktion von Schilddrüsenhormonen zu stimulieren, sondern gleichzeitig auch die Freisetzung von Prolaktin angeregt wird. Prolaktin ist ein Schwangerschaftshormon, welches die Milchbildung stimuliert. Bei nicht schwangeren Frauen kann ein Überschuss an Prolaktin zu anovulatorischen Zyklen (kein Eisprung) bis hin zu ausbleibender Regelblutung führen. Oft treten ausgeprägte Beschwerden im Bereich der Brüste wie Spannungsgefühle, Schmerzen, Schwellungen und sogar  Milchfluss auf. Dieser Prolaktinüberschuss normalisiert sich oft, wenn die Hypo- oder auch die Hyperthyreose mit Schilddrüsenhormonen ausgeglichen wird. Die Besserung von Zyklusstörungen kann jedoch einige Monate hinter der Schilddrüsenhormoneinstellung hinterherhinken.

Östrogene & Progesteron

Aber auch bei regelmäßigen Blutungen können Störungen der weiblichen Hormone vorliegen. Es kann sein, dass bei anovulatorischen Zyklen ein Östrogenüberschuss und gleichzeitiger Progesteronmangel vorliegt. Östrogene und Progesteron sind Gegenspieler. Dieses Ungleichgewicht der Sexualhormone wirkt sich wiederum negativ auf die Funktionsweise der Schilddrüsenhormone aus. Durch ein Zuviel an Östrogenen wird die Anzahl der Bindungseiweiße erhöht, wodurch die Schilddrüsenhormone stärker gebunden und weniger in den Organen freigesetzt werden. Auch ohne ausreichend Progesteron können die Schilddrüsenhormone nicht richtig wirken. Beschwerden, die durch Störungen der Sexualhormone ausgelöst werden, können unter Umständen als zyklusabhängige Hypothyreose fehlgedeutet werden. Sehr häufig kommt es auch hier zur Ausbildung eines prämenstruellen Syndroms mit Symptomen wie Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und Spannungsgefühlen in den Brüsten.

Androgene

Eine Schilddrüsenüberfunktion wirkt sich darüber hinaus besonders auf die Androgene aus. Das SHBG (Sexualhormon-Bindendes Globulin) ist erhöht und induziert eine erhöhte Umwandlung von Androgenen zu Östrogenen. Über wenig erforschte, komplizierte Rückkopplungsprozesse verstärkt ein Zuviel an Androgenen die Ausschüttung von LH und FSH, während ein Überangebot an Östrogenen sich negativ auf das natürliche Gegenspielerhormon Progesteron auswirkt.

 

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