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Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) unter der Lupe

Die In-Vitro-Fertilisation ist die älteste Methode der assistierten Reproduktion. Mit der Geburt der heute 41-jährigen Louise Brown (geb. 25.7.1978) hatten die Wissenschaftler Steptoe und Edwards im Jahr 1978 erstmals mit der IVF Erfolg. Damals entnahmen Ärzte die Eizelle allerdings in einem spontanen Menstruationszyklus. Heute hingegen werden die Eierstöcke der Frau in den allermeisten Fällen mit Hilfe von Hormonen stimuliert. In seinem Paper „Time for a Rethink“ von 2007 kritisiert Edwards diesen neuen Weg und bezeichnete die modernen Methoden zur Follikelstimulation und Eisprungauslösung als zu extrem und zu kostenintensiv (Edwards 2007). Für uns ein Anlass, die In-Vitro-Fertilisation einmal genauer unter der Lupe genauer zu betrachten.

Vorgehensweise bei einer IVF

Bei der IVF findet die Befruchtung der Eizelle außerhalb des Körpers statt.  Zu Beginn der In-Vitro-Fertilisation müssen die Eierstöcke der Frau mit Hilfe von Hormonen (Gonadotropin) zur Eizellreifung angeregt werden. Mittels Ultraschall kontrolliert der Arzt den Verlauf. Sind die Eizellen gereift, kann der Eisprung künstlich ausgelöst werden.

Anschließend lassen sich bestenfalls zwischen fünf und zehn Eizellen über die Vagina entnehmen (transvaginale Follikelpunktion) und in Nährmedium überführen. Dort treffen die Eizellen dann auf das aufbereitete Sperma des Partners, welches in der Regel durch Masturbation gewonnen wird.

Nach einem Tag im warmen Brutkasten lässt sich unter dem Mikroskop prüfen, ob die In-Vitro-Befruchtung erfolgreich war. Ist dies der Fall, kann der Reproduktionsmediziner der Frau nach ein bis zwei Tagen maximal drei Embryos in die Gebärmutter übertragen.

Die Anwendung von Fortpflanzungstechnik und der Umgang mit Embryonen sind in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz geregelt. Nach dem Gesetz gilt die befruchtete, entwicklungsfähige Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an als Embryo.

In Deutschland dürfen höchstens drei im Labor befruchtete Eizellen zu Embryonen heranreifen. Die Eltern entscheiden sich vorher für einen, zwei oder drei Embryonen – je mehr, desto höher die Erfolgsrate, aber auch die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge oder gar Drillinge zu bekommen.

Was ist eine Kryokonservierung?

Durch die Kryokonservierung, das Einfrieren biologischen Materials, besteht die Möglichkeit, befruchtete Eizellen auch einfrieren zu lassen, zum Beispiel dann, wenn mehr als drei befruchtete Eizellen gewonnen werden. Das Einfrieren ist ausschließlich im Vorkernstadium erlaubt, etwa 24 Stunden nachdem die Samenzelle in die Eizelle eingedrungen ist, die Erbanlagen aber noch nicht verschmolzen sind.

Erfolgschancen einer IVF

Eine künstliche Befruchtung ist leider keine Garantie, auch wirklich schwanger zu werden und das Baby auf die Welt zu bringen. Oftmals ist die Herbeiführung einer Schwangerschaft ein steiniger Weg, der mit vielen Rückschlägen verbunden ist. Häufig sind mehrere Versuche nötig, bis die Frau schwanger wird. Diese Zeit ist sowohl körperlich als auch psychisch extrem belastend.

Im Jahr 2018 stellte sich laut IVF-Register nach einer In-Vitro-Befruchtung bei 28% pro Behandlungszyklus eine Schwangerschaft ein. Die Schwangerschaftsrate entspricht jedoch nicht der Geburtenrate, diese fällt aufgrund von Fehlgeburten etwas schlechter aus und liegt bei knapp 20% pro Behandlungszyklus.

Die Erfolge der Kinderwunschbehandlung sind außerdem stark altersabhängig. Ab dem 36. Lebensjahr sinkt die Schwangerschaftsrate, während die Fehlgeburtsrate steigt. Mit 45 Jahren beträgt die Schwangerschaftsrate nur noch 5,4% und die Geburtenrate 1,7% aufgrund der hohen Fehlgeburtswahrscheinlichkeit (IVF Register 2018).

Nicht nur das Alter der Frau, sondern auch die Art einer vorausgehenden Konzeption und der Schwangerschaftsausgang haben einen signifikanten Einfluss auf die Erfolgsaussicht einer reproduktionsmedizinischen Therapie. Eine vorausgehende Schwangerschaft führt z.B. zu einer höheren Erfolgsrate  einer assistierten Reproduktion (ART). Jede vorausgehende Frühgeburt erhöht hingegen die Wahrscheinlichkeit, auch durch eine ART-Behandlung einen Abort zu erleiden (Kupka 2004).

Vor- und Nachteile

Eine ungewollte Kinderlosigkeit kann mit zunehmender Dauer für viele Paare eine schwere Lebenskrise auslösen. Längerfristig können sexuelle Störungen, partnerschaftliche Probleme, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle sowie Stimmungsschwankungen auftreten, sodass verschiedene Lebensbereiche eingeschränkt sind. Die Behandlungsmethode der In-vitro-Fertilisation ist für viele Paare oftmals eine Chance, doch noch ein eigenes Kind zu bekommen. Allerdings erleben Paare nicht nur ihre Kinderlosigkeit als große Belastung, sondern auch die medizinische Behandlung. Dabei spielt der jeweilige Behandlungsausgang eine wichtige Rolle (Goldschmidt 2003).

Risiken und Komplikationen

Eine künstliche Befruchtung ist ein Eingriff in den Körper. Jeder Eingriff ist mit gewissen Risiken verbunden, so dass es zu verschiedenen Komplikationen kommen kann.

Ein Risiko der assistierten Reproduktion ist das Ovarielle Hyperstimulationssyndrom (OHSS). OHSS ist eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation bei der Stimulation der Eierstöcke und stellt eine der Hauptkomplikationen von Maßnahmen assistierter Reproduktion dar. Es wird maßgeblich durch die von außen wirkende Zufuhr von Hormonen (Gonadotropinen) für die Eizellreifung hervorgerufen. Je nach Schweregrad können verschiedene Symptome vorliegen:  Spannungsgefühl im Bauchraum, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen bis hin zu Vergrößerung der Eierstöcke, frei im Bauch befindliche Flüssigkeit, erhöhte Blutgerinnungsneigung, Durchblutungsstörungen der Niere und Leberfunktionsstörung. Weitere Komplikationen einer IVF-Behandlung können eine erhöhte Rate an Eileiterschwangerschaften,  Infektionen, Thrombosen, Verletzungen von Organen und Blutgefäßen u.v.m. sein.

Mehrlingsschwangerschaften

Die Übertragung mehrerer Embryonen zur Erhöhung der Erfolgschancen birgt immer auch das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft. Laut IVF Register sind 21,3% aller Geburten Zwillingsgeburten, während 0,7% Drillingsgeburten sind. Mehrlingsschwangerschaften können zu Entwicklungsstörungen Babys oder auch zu Frühgeburten führen. Zwillinge oder gar Drillinge auszutragen ist besonders in Kombination mit dem meist höheren Alter der Mutter ein zusätzliches und ernst zu nehmendes Risiko. Zudem werden Mehrlingsschwangerschaften in der Regel durch einen geplanten Kaiserschnitt entbunden, was wiederrum Komplikationen mit sich bringen kann. Zu nennen sind großer Blutverlust, Bildung von Blutgerinnseln, Infektionen, Verletzung benachbarter Organe, Wundheilungsstörungen, Narkosezwischenfälle sowie eine posttraumatische Belastungsstörung der Mutter.

Erhöhtes Fehlgeburtsrisiko

Das Risiko einer Fehlgeburt ist bei Frauen, die durch eine IVF-Behandlung schwanger wurden, erhöht. Dies lässt sich einerseits durch das durchschnittlich höhere Alter der Paare erklären. Zum anderen kommen spezielle Veränderungen des Erbmaterials insbesondere bei schweren Veränderungen des Spermas vor. Auch sie können der Grund für eine mögliche Fehlgeburt sein.

Starke psychische Belastung

Viele kinderlose Paare unterschätzen die psychische Belastung einer hormonellen Kinderwunschbehandlung. Besonders bei der Frau stehen Körper und Seele unter Dauerstress. Hinzu kommen häufig mitunter starke Nebenwirkungen der Hormontherapie. Sind mehrere Behandlungszyklen notwendig, schwankt man ständig zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Studien weisen auf hohe Nebenwirkungen und psychische Belastungen hin, u.a. wird der Stress durch die  IVF auf gleiche Ebene wie der Tod eines Familienmitglieds gestellt!  Studien zeigen außerdem eine Depressionsrate von 52% nach einer IVF, ganz unabhängig vom Behandlungserfolg (Zuber-Jerger 2002).

Zu den unter Fachleuten weiterhin bekannten seelischen Beeinträchtigungen gehören: Minderung des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls, Kontroll- und Kompetenzverlust, Verletzung der persönlichen Integrität, Angst und Anspannung, besonders beim Abwarten des Behandlungserfolges sowie eine reaktive Depressionen nach ausgebliebenem Erfolg (Telus 2001).

Finanzielle Belastung

Nicht zuletzt sind Paare einer immensen finanziellen Belastung ausgesetzt. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen seit der Gesundheitsreform 2004 nur noch maximal die Hälfte der Kosten einer künstlichen Befruchtung bei maximal drei Versuchen. Voraussetzung: Die Frau darf nicht älter als 40, der Mann nicht älter als 50 Jahre alt sein. Beide Partner müssen aber mindestens 25 Jahre alt sein. Die gesetzlichen Krankenkassen bestehen bei einer Kinderwunschbehandlung immer noch auf einen Trauschein. Für unverheiratete Paare gelten besondere Regelungen: Sie müssen in einer so genannten festgefügten Partnerschaft zusammenleben – ob dies der Fall ist, liegt im Ermessen des Arztes, der das Beratungsgespräch durchführt.

Eine künstliche Befruchtung kann eine wahre Kostenlawine verursachen.  Denn die wenigsten Frauen werden schon beim ersten Mal schwanger. Nicht selten sind drei bis vier Versuche notwendig. Bei drei Versuchen einer In-Vitro-Befruchtung und einigen Versuchen der Insemination im Vorfeld kommen so schnell bis zu 10.000 Euro zusammen. Einige Krankenkassen übernehmen auch einen höheren Anteil der Kosten für die künstliche Befruchtung als gesetzlich vorgeschrieben. Eine Liste dieser Krankenkassen findest du HIER.

Überweisungen ans Kinderwunschzentrum oft vorschnell

Eine Schwangerschaft ist ein hochkomplexer Vorgang und ein Wunder der Natur. Unserer Erfahrung nach werden Frauen häufig zu früh und vorschnell an ein Kinderwunschzentrum überwiesen. Der Grund dafür ist, dass Ärzte in der Regel von einem 28-tägigen Lehrbuchzyklus ausgehen. Studien zeigen jedoch, dass 70% aller Frauen nicht diesem Standard entsprechen. Ihr individueller Zyklus ist kürzer oder länger und dennoch vollkommen gesund. Ein Eisprung findet ebenfalls statt, nur an einem anderen Tag und so gut wie nie in der Zyklusmitte.  Aufgrund dessen bleiben frühe und späte Eisprünge vom Gynäkologen häufig unentdeckt, so dass der Patientin fälschlicherweise anovulatorische Zyklen ohne Eisprung diagnostiziert werden. Die Folge: Die Patientin wird an ein Kinderwunschzentrum überwiesen, obwohl eine natürliche Schwangerschaft möglich gewesen wäre. Auf diese Weise werden Paare unnötig einer starken psychischen sowie finanziellen Belastung ausgesetzt.

Erhöhe die Chancen schwanger zu werden mit kontinuierlicher Zyklusbeobachtung

Die Kenntnis des Zeitpunktes der Ovulation erhöht die Chance schwanger zu werden signifikant. Durch gezielten Geschlechtsverkehr im fruchtbaren Fenster des Zyklus können 81% der Frauen innerhalb von 6 Monaten schwanger werden (Raith Paula  2013). Eine kontinuierliche Zyklusbeobachtung hat mindestens die gleichen Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft wie eine IVF. Chausiaux et al. zeigten 2013, dass die klinische Schwangerschaftsrate nach 12 Monaten Nutzung eines Zyklusmonitors 39% beträgt, wohingegen die klinische Schwangerschaftsrate bei einer IVF im Jahr 2013 nur 33% betrug.

Unser Tipp: Lerne zunächst deine individuellen Zyklusmuster mit OvulaRing kennen und finde heraus,  ob deine Zyklen gesund sind! Durch die kontinuierliche Zyklusbeobachtung mit OvulaRing und der genauen Kenntnis des Eisprungzeitpunktes werden OvulaRing Nutzerinnen durchschnittlich nach 3,8 Monaten schwanger – ganz ohne belastende Nebenwirkungen. Unser OvulaRing Expertenteam steht dir jederzeit beratend zur Seite und begleitet dich auf deinem Weg zum Wunschkind.

 

Hinweis: Die IVF ist eine von vielen Methoden der assistierten Reproduktion (ART). Weitere Möglichkeiten der ART können an anderer Stelle von uns vorgestellt werden.

 

Referenzen

Chausiaux et al 2013. Pregnancy Prognosis in Infertile Couples on the DuoFertility Programme Compared with In Vitro Fertilisation/Intracytoplasmic Sperm Injection. In: Assisted Reproduction and Infertility.

Edwards RG.2007.  IVF, IVM, natural cycle IVF, minimal stimulation IVF − time for a rethink. Reproductive BioMedicine Online Vol 15. No 1. 106-119; www.rbmonline.com/Article/2789 on web 18 May 2007

Goldschmidt S et al. 2003. Zum Zusammenhang zwischen der Lebenszufriedenheit ungewollt kinderloser Paare und dem Behandlungsausgang nach IVF. Reproduktionsmedizin 19, 30–39.

Gynäkologie und Geburtshilfe. https://www.thieme.de/de/gynaekologie-und-geburtshilfe/ohss-ovarielles-ueberstimulationssyndrom-83106.htm

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie (2019). Deutsches IVF Register. Jahrbuch 2018. https://www.deutsches-ivf-register.de/perch/resources/dir-jahrbuch-2018-deutsch-4.pdf

https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/geburt-kinder/kuenstliche-befruchtung/

Kupka MS et al. 2004. Prognosefaktoren der assistierten Reproduktion. In: Der Gynäkologe 37, 686–695.

Raith Paula et al 2013. Natürliche Familienplanung heute. S. 155.

Telus M. 2001. Reproduktionsmedizin: Zwischen Trauma und Tabu. In: Dtsch Arztebl 2001; 98(51-52): A-3430 / B-2889 / C-2685

Zuber-Jerger I. 2002. Reproduktionsmedizin – Zwischen Trauma und Tabu: Zu hohe Risikobereitschaft. In: Dtsch Arztebl 2002; 99(10): A-617 / B-505 / C-476

 

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